Pädagogik

21 Fragen zur Waldorfpädagogik

1.

Welche Kinder werden an einer Waldorfschule aufgenommen?

Waldorfschulen stehen grundsätzlich allen Kindern offen – unabhängig von Religion, ethnischer Herkunft, Weltanschauung und Einkommen der Eltern. Nach ausführlichen Informationselternabenden findet für jedes Kind ein individuelles Aufnahmegespräch an der Schule statt. Auch in höhere Klassen können Schüler* als Quereinsteiger aufgenommen werden.

2.

Worin unterscheiden sich Waldorfschulen überhaupt von anderen Schulen?

Waldorfschulen wollen gleichermaßen intellektuelle, kreative, künstlerische, praktische und soziale Fähigkeiten bei den Kindern und Jugendlichen entwickeln. Vom ersten Schuljahr an lernen Waldorfschüler zwei Fremdsprachen. Jungen und Mädchen stricken, nähen und schneidern gemeinsam in der Handarbeit und sägen, hämmern und feilen zusammen im Werkunterricht.
In jeder achten und zwölften Klasse studieren sie ein anspruchsvolles Theaterstück ein und setzen sich in einer großen Jahresarbeit mit einem Thema ihrer Wahl in Theorie und Praxis auseinander. Die Fächer Gartenbau und Eurythmie sind feste Bestandteile des Lehrplans.

3.

Wer war Rudolf Steiner und was hat er mit der Waldorfpädagogik zu tun?

Rudolf Steiner ist der Begründer der Waldorfpädagogik. Emil Molt, Besitzer der damaligen Waldorf Astoria Zigarettenfabrik, gründete mit ihm zusammen die erste Waldorfschule in Stuttgart. Inhalt und Methode der Waldorfpädagogik beruhen auf Rudolf Steiners Erkenntnissen über die Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Neben der Pädagogik fanden Rudolf Steiners geisteswissenschaftliche Forschungen auch Eingang in die biologischdynamische Landwirtschaft, die Anthroposophische Medizin und die Kunst.

4.

Muss ein Kind künstlerisch begabt sein, damit es für die Waldorfschule geeignet ist?

Nein, die Waldorfschule ist eine Schule für alle Begabungsrichtungen. Die neuere Hirnforschung hat aber eindrucksvoll belegt, dass Kinder und Jugendliche durch künstlerisches Üben viele Kompetenzen erwerben, die weit über die unmittelbare Tätigkeit hinausreichen. Wenn Waldorfschüler malen, zeichnen, plastizieren oder musizieren, geht es daher vor allem um die Schulung differenzierter Wahrnehmungen und die Entfaltung ihres schöpferischen Potenzials; die Begabungen der einzelnen Schüler werden dabei natürlich berücksichtigt. Waldorflehrer sind bestrebt, den Verstand, die Kreativität und die eigenständige Persönlichkeit ihrer Schüler gleichgewichtig zu entwickeln.

5.

Ist es nicht so, dass hauptsächlich Kinder mit Lernschwierigkeiten auf eine Waldorfschule gehen?

Nein. Ausdrücklich nein. An Waldorfschulen lernen Kinder aller Begabungsrichtungen wie an den staatlichen Regelschulen auch, nur dass hier neben intellektuellen Fähigkeiten gleichgewichtig auch soziale und handwerklich-künstlerische Fähigkeiten gefordert und gefördert werden. Die individuelle Förderung von Kindern mit besonderem Assistenzbedarf ist eine wichtige Säule der Waldorfpädagogik, die entweder in Schulen mit einem inklusiven Konzept oder in heilpädagogischen Förderschulen umgesetzt wird.

6. Stimmt es, dass es an Waldorfschulen keine Noten und kein Sitzenbleiben gibt?

Da der Waldorfunterricht sehr handlungsorientiert und auf die jeweilige Entwicklungsphase der Schüler abgestimmt ist, stellt sich dieses Problem nur selten. Eigeninitiative entwickeln die Kinder und Jugendlichen nicht aufgrund von äußerem Leistungsdruck, sondern aus lebendigem Interesse und persönlicher Begeisterung für die vielfältigen Unterrichtsinhalte. Diese gestaltet der Lehrer kreativ und lebensnah, so dass sie sich an der persönlichen Erfahrungswelt der Kinder orientieren und ihnen eigene Erlebnisse vermitteln. Waldorflehrer bereiten sich auf diese anspruchsvolle pädagogische Tätigkeit an eigenen Seminaren und Hochschulen vor.

Mehr dazu auch in diesem Radiointerview mit Henning Kullak-Ublick.

7. Ohne Noten und ohne Sitzenbleiben: sind die Kinder dann überhaupt zum Lernen motiviert?

Auch wenn Waldorfschulen in der Unter- und Mittelstufe auf Noten verzichten, werden die Schülerarbeiten selbstverständlich gewürdigt. An Stelle der Noten stehen individuelle Beurteilungen, in denen die Lehrer gleichermaßen auf die Persönlichkeitsentwicklung und die Lernfortschritte ihrer Schüler eingehen. Es zählt also nicht allein der Wissensstand, sondern die Gesamtentwicklung in einem bestimmten Zeitraum. Waldorfschüler lernen von der ersten bis zur zwölften Klasse in einer stabilen Klassengemeinschaft, unabhängig vom angestrebten Schulabschluss: Niemand wird unterwegs sitzen gelassen.

8. Ist Waldorfpädagogik nicht so etwas wie das Vorgaukeln einer heilen Welt? Kommen die Schüler später mit der „harten Realität“ zurecht?

Die Praxis zeigt, dass gerade Waldorfschüler von Ausbildern besonders geschätzt werden. In einer Schule, die nicht nur die intellektuellen Fähigkeiten anspricht, entwickeln sich Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit, prozessual zu denken, vom ersten Schultag an.
Umfangreiche Absolventenstudien zeigen, dass Waldorfschüler in allen Studien- und Berufsfeldern sehr erfolgreich studieren und arbeiten.

9. Welche Abschlüsse können an einer Waldorfschule gemacht werden?

Alle. Da die einzelnen Bundesländer jeweils eigene Schulgesetze haben, gibt es zwar Unterschiede, aber grundsätzlich gilt, dass an einer Waldorfschule die üblichen staatlichen Abschlüsse erworben werden können: Haupt und Realschulabschluss ebenso wie das Abitur und meistens auch die Fachhochschulreife. Am Ende des zwölften Schuljahres (an einigen Schulen am Ende der elften Klasse) bieten zahlreiche Waldorfschulen einen eigenen Waldorfschulabschluss an, der ihren Schülern Gelegenheit gibt, neben den Prüfungsfächern der staatlichen Abschlüsse ihre individuell erworbenen Kompetenzen zu präsentieren. Das dreizehnte Schuljahr dient in der Regel der gezielten Vorbereitung auf das Abitur.

10. Ist die Waldorfschule eigentlich teuer?

Es ist ein Prinzip der Waldorfschule, kein Kind aus finanziellen Gründen abzulehnen. Da aber die Zuschüsse an freie Schulen in allen Bundesländern niedriger sind als jene, die staatliche Schulen erhalten, müssen Waldorfschulen Schulgelder von den Eltern verlangen –obwohl sie erwiesenermaßen besser wirtschaften als Schulen in öffentlicher Trägerschaft.
Um dennoch allen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, bilden die Lehrer und Eltern Solidargemeinschaften, die zwar an jeder Schule etwas anders ausgestaltet sind, sich aber immer darum bemühen, die unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten der Familien auszugleichen.

11. Die Waldorfschulen nennen sich „freie Schulen“. Heißt das, dass die Kinder dort antiautoritär erzogen werden?

Der Begriff „freie Schulen“ bedeutet nicht, dass es keine Regeln gibt, sondern dass diese Schulen eine weitgehende pädagogische Autonomie haben. Waldorflehrerinnen und -lehrer bauen in der Unterstufe ein von „liebevoller Autorität“ geprägtes Verhältnis zu ihren Schülern auf. Kinder suchen ihre Grenzen. Kinder suchen ihre Grenzen. Nur wenn sie Grenzen von den Erwachsenen erfahren, fühlen sie sich einerseits sicher und erleben sich andererseits als eigene Persönlichkeit. Im Laufe der Schulzeit wandelt sich das Lehrer Schüler Verhältnis immer mehr zu einer umfassenden Lernpartnerschaft.

12. Warum haben die Kinder in den ersten acht Schuljahren nach Möglichkeit ein und denselben Klassenlehrer?

Inzwischen ist wissenschaftlich gut erforscht, dass eine vertrauensvolle Beziehung die wichtigste Basis für das Lernen ist. So können Kinder sich in einer Gemeinschaft, die von Beständigkeit und Rhythmus geprägt ist, gut und gesund entfalten. Um ihnen darin eine verlässliche Stütze zu sein, begleitet ein Waldorf Klassenlehrer „seine“ Klasse nach Möglichkeit sechs bis acht Jahre lang und unterrichtet jeden Morgen mindestens die ersten beiden Stunden eines Schulvormittags. In wechselnden „Epochen“ bringt er den Schülern jeweils über mehrere Wochen den Stoff unterschiedlicher Themengebieten nahe. Dabei lernt er seine Schüler sehr gut kennen und kann individuell auf ihre Stärken und Schwächen eingehen.

13. Was ist unter „Epochenunterricht“ zu verstehen?

Während der ersten beiden Stunden eines Schulvormittags arbeiten die Schüler über mehrere Wochen intensiv an jeweils einem Fachgebiet. So haben die Schüler zum Beispiel drei Wochen lang jeden Morgen zwei Stunden Mathematik, Geografie, Deutsch, Geschichte oder ein anderes Hauptfach. Nach einigen Wochen wechselt der Inhalt der Epoche zu einem anderen Thema, sodass die Schüler sich intensiv damit verbinden. Grundfertigkeiten wie Rechnen oder Schreiben festigen die Schüler über den Epochenunterricht hinaus in fortlaufenden Übstunden. Im Anschluss an den Epochenunterricht übernehmen Fachlehrer den Unterricht in Sport, Fremdsprachen, Eurythmie, Religion, Musik und in den handwerklichkünstlerischen Fächern.

14. Kann ein Lehrer in allen Fächern überhaupt qualifiziert sein?

Klassenlehrer decken an einer Waldorfschule tatsächlich ein großes Spektrum an Fächern ab. In besonderen Ausbildungswegen, die sie in einem Vollstudium oder postgraduiert im Anschluss an eine wissenschaftliche Ausbildung an einem der Seminare im Bund der Freien Waldorfschulen oder an einer Hochschule mit Waldorfqualifikation durchlaufen, werden sie gezielt darauf vorbereitet. Für Klassen, Fach und Oberstufenlehrer gilt gleichermaßen, dass ihre Ausbildung mindestens gleichwertig zur staatlichen Ausbildung sein muss. In der Unter und Mittelstufe liegt der Schwerpunkt allen Lernens nicht nur auf der Vermittlung reinen Fachwissens, sondern es geht auch darum, den Schülern eine lebendige, erfahrungsgesättigte Beziehung zu den Lerninhalten zu ermöglichen. So kann Lernen Freude machen – ein Leben lang.

15. Wie werden die Jugendlichen in der Oberstufe auf die Berufswelt vorbereitet?

In der Oberstufe unterrichten in allen Fächern akademisch beziehungsweise handwerklich ausgebildete Lehrer die Jugendlichen. Die praktischen Fähigkeiten, die die Schüler sich über die gesamte Schulzeit hinweg angeeignet haben, finden von der achten Klasse an Ergänzung durch diverse Praktika: In einem Landwirtschafts- und einem Forstpraktikum, einem Feldmess-, einem Betriebs- und einem Sozialpraktikum erhalten die Schüler eine ausgesprochen lebensnahe Ausbildungsgrundlage. Dabei liegt der eigentliche Sinn der Praktika nicht in der Berufsfindung, sondern vor allem im Erüben wichtiger sozialer Fähigkeiten.

16. Kommt die Vorbereitung auf die Abschlüsse nicht zu kurz, wenn so viele Praktika stattfinden, Theater gespielt und handwerklich gearbeitet wird?

Es ist richtig, dass diese Aktivitäten zusammen mit dem Lernpensum in manchen Schuljahren eine Doppelbelastung für die Schüler bedeuten. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Prüfungsleistungen hierunter nicht leiden. Denn die durchschnittlichen Abschlussnoten der Waldorfschüler liegen mindestens auf dem gleichen Niveau wie bei Schülern von staatlichen Schulen.

17. Werden die Kinder an der Waldorfschule weltanschaulich unterrichtet?

Die von Rudolf Steiner entwickelte Anthroposophie ist eine Erkenntnishilfe für die Lehrer, zu keinem Zeitpunkt aber ist sie Gegenstand des Unterrichts. Da die Waldorfschule eine überkonfessionelle Schule ist, entscheiden zunächst die Eltern, welchen Religionsunterricht ihr Kind besuchen soll. Später entscheiden die Jugendlichen das dann selbst.

18. Was hat es mit dem Fach Eurythmie auf sich?

Eurythmie (wörtlich: guter, auch schöner Rhythmus) ist eine Bewegungskunst, die an Waldorfschulen in allen Klassen unterrichtet wird. Im Unterschied zu gymnastischen, pantomimischen oder tänzerischen Bewegungen, die völlig frei gestaltet werden können, gibt es in der Eurythmie für jeden Sprachlaut und jeden Ton eine ganz bestimmte Gebärde – es handelt sich also um sichtbar gemachte Sprache und Musik. In der Lauteurythmie stellen die Schüler zum Beispiel dar, was in einem Gedicht an Lauten lebt, und in der Toneurythmie, was in den Tonintervallen einer musikalischen Komposition lebt.

19. Welche Rolle spielen die Naturwissenschaften an der Waldorfschule?

Der naturwissenschaftliche Unterricht stützt sich zwischen dem vierten und achten Schuljahr auf das präzise Beobachten biologischer, physikalischer und chemischer Phänomene und auf das selbstständige Entdecken der jeweiligen Gesetzmäßigkeiten. Vom 9. Schuljahr an treten abstrakte Modellvorstellungen und die Begriffsbildungen der modernen Naturwissenschaften in den Vordergrund, wobei weiterhin ein ergebnisoffener, forschender, auf eigenen Wahrnehmungen und Schlussfolgerungen beruhender Unterricht praktiziert wird. Eine in Österreich durchgeführte PISA-Studie zu den Naturwissenschaften bescheinigt Waldorfschülern weit überdurchschnittliche naturwissenscharftliche Kompetenzen und führte dies ausdrücklich auf die als vorbildlich bezeichneten phänomenologischen Unterrichtsmethoden zurück.

20. Welche Rolle spielen digitale Medien an der Waldorfschule?

Medienpädagogik ist fester Bestandteil im Lehrplan der Waldorfschulen. Sie beginnt zunächst als eine „indirekte Medienpädagogik“, bei der die jüngeren Kinder die Welt mit allen Sinnen erfahren und sich kreativ und fantasievoll anhand unterschiedlicher Materialien mit ihr auseinandersetzen. Dabei entwickeln sie ihre Urteilsfähigkeit, die eine notwendige Voraussetzung für den selbstständigen Umgang mit digitalen Medien ist. Diese werden nach umfassenden Erfahrungen mit analogen Medien Schritt für Schritt in den Unterricht eingeführt, wobei neben der praktischen Handhabung vor allem ein echtes Verständnis der technologischen Grundlagen und Funktionsweise des Internets wichtig wird, was in der Oberstufe bis zu Reflexion der weltweiten gesellschaftlichen Wirkungen dieser Technologien reicht.

21. Was ist, wenn meine Familie umzieht?

In Deutschland gibt es fast überall eine Waldorfschule in erreichbarer Nähe – aktuell (August 2017) sind es 240, aber Neugründungen kommen in jedem Jahr dazu. Auf der Homepage des Bundes der Freien Waldorfschulen finden Sie die Schulen in Ihrer Nähe. Jede Waldorfschule wird sich darum bemühen, Waldorfschüler nach einem Umzug aufzunehmen. Ein Wechsel von und zu staatlichen Regelschulen bedeutet zwar eine Umstellung, ist aber möglich und keine Seltenheit. Falls Sie ins Ausland ziehen wollen: Weltweit gibt es – mit deutlich steigender Tendenz – 1.200 Waldorfschulen. Damit sind die Waldorfschulen die größte überkonfessionelle und nicht staatliche pädagogische Bewegung der Welt.

Zum Schluss…

In dieser Darstellung wurde versucht, die häufigsten Fragen zur Waldorfschule übersichtlich und in knapper Form zu beantworten. Natürlich können dabei nicht alle Themen erschöpfend behandelt werden. Ausführliche Informationen zur Waldorfschule finden Sie im Internet unter www.waldorfschule.de

* Zur besseren Lesbarkeit verwenden wir in diesem Text „Schüler“ bzw. „Lehrer“. Gemeint sind selbstverständlich immer alle Geschlechter.


Unser Leitbild

Unser Leitbild

Die Freie Waldorfschule am Kräherwald ist offen für Kinder und Jugendliche unabhängig von ihrer Herkunft bzw. der Weltanschauung oder der gesellschaftlichen Stellung ihrer Eltern. In der pädagogischen Arbeit werden die leibliche, seelische und geistige Entwicklung altersgemäß gefördert, ein „Sitzenbleiben“ gibt es daher nicht.

Die Schüler* sollen zu lebenslangem Lernen befähigt werden. Daher orientieren sich die Unterrichtsinhalte und -methoden an den Entwicklungsphasen des heranwachsenden Menschen. Die Freie Waldorfschule am Kräherwald bietet ihren Schüler*innen einen Lern- und Lebensraum, der Vertrauen und Sicherheit gibt, damit diese Selbstbewusstsein, Weltinteresse, Mut und Initiativkraft für ihren Lebensweg entwickeln können.

Deshalb werden kognitive, praktisch-künstlerische und moralische Anlagen gleichermaßen angesprochen. Wir bieten unseren Schülern die ihnen möglichen Abschlüsse, legen aber genau so Wert auf einen allgemeinen Bildungsbegriff, der die jungen Menschen befähigen soll, ihr Leben selbstbestimmt zu führen, ihre Lebensaufgabe zu ergreifen und eine eigene Individualität zu entwickeln.

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* Zur besseren Lesbarkeit verwenden wir in diesem Text „Schüler“. Gemeint sind selbstverständlich immer alle Geschlechter.


Unterricht

Unterricht

Unter- und Mittelstufe

Bereits seit der Gründung der Waldorfschule begleitet der Klassenlehrer* in der Regel eine Klasse während der ersten acht Schuljahre. Durch ihn lernen die Kinder das Schreiben und Lesen, das Zeichnen und Malen. Er führt sie vom Erlernen der Zahlen bis zur Mathematik, von der Heimatkunde bis zur Geografie. Er unterrichtet Deutsch, Geschichte, Biologie, Physik und Chemie.

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Hauptunterricht

Der knapp zweistündige Hauptunterricht ist in mehrere Phasen gegliedert. Hier werden jene Stoffgebiete, die der Lehrplan für die jeweilige Altersstufe vorsieht, in Epochen erarbeitet. So können sich die Schüler über mehrere Wochen hinweg intensiv mit einer Sache verbinden, es kennen- und verstehen lernen und übend aneignen. Hier legen die Schüler auch die Grundlage für das mit zunehmendem Alter immer selbständiger gestaltete Epochenheft.

Fördern und begleiten

Der Klassenlehrer lernt jedes Kind seiner Klasse durch die tägliche Arbeit sehr genau kennen. Das regelmäßige Gespräch mit den Eltern bildet eine weitere Möglichkeit, das Kind in seiner Entwicklung zu begleiten. Im Sinne der gemeinsamen Verantwortung begegnen sich Eltern und Lehrer in drei bis fünf Elternabenden im Schuljahr.
Durch ihn lernen die Kinder das Schreiben und Lesen, das Zeichnen und Malen. Er führt sie vom Erlernen der Zahlen bis zur Mathematik, von der Heimatkunde bis zur Geografie. Er unterrichtet Deutsch, Geschichte, Biologie, Physik und Chemie.

An Erlebtes anknüpfen

Die Lehrer versuchen, ihre Unterrichtsinhalte nie von einem abstrakten Begriff ausgehend zu entwickeln, sondern immer an etwas anzuknüpfen, was die Kinder an Erfahrung und Erlebnis mitbringen bzw. im Unterricht erleben. Die Abstraktion findet erst gegen Ende eines Lernprozesses statt. Deshalb verdichtet sich beispielsweise in der ersten Klasse ganz allmählich aus einer Geschichte und aus einem Tafelbild heraus der besondere Charakter eines Sprachlautes. Wenn dies gelingt, ist der dazugehörige Buchstabe kein zufälliges, abstraktes Zeichen mehr, sondern für die Kinder bald ein „alter Bekannter“. So dauert es manchmal etwas länger als an Regelschulen, bis die Kinder sich das Lesen und Schreiben erobern. Dann aber haben sie es sich ganz und gar zu Eigen gemacht.

Der Fachunterricht

Nach dem Hauptunterricht ändert sich der Charakter des Schulvormittags. Jetzt werden in Einzelstunden all diejenigen Fächer unterrichtet, die ein durchgängiges Üben während des ganzen Schuljahres erfordern: Neben den erwähnten Übstunden sind dies die Fremdsprachen (Englisch, Russisch), Musik, Eurythmie, Turnen, Handarbeit, Religion, ab der 5. Klasse das Werken und schließlich der Gartenbau. In vielen dieser Stunden sind die Kinder einer Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt, damit (bei einer Gruppengröße von 17 bis 18 Schülern) eine intensive Förderung des Einzelnen möglich wird.

Projektarbeit

Im achten Schuljahr endet die Klassenlehrerzeit. Hier erreicht die gemeinsame Arbeit eine besondere Dichte und Intensität: Über Monate hin proben die Schüler das Klassenspiel und bereiten die Aufführung vor. Zusätzlich fertigt jeder Schüler eine Jahresarbeit an. Meist wählen die Schüler in Absprache mit dem Lehrer ein künstlerisches oder handwerkliches Thema, müssen dann über eine längere Zeit die Planung und Fertigstellung selbst in die Hand nehmen und präsentieren schließlich ihre Ergebnisse vor ihren Eltern und Lehrern.

Die Oberstufe

Anlagen entwickeln, heißt Chancen erweitern

In der Oberstufe sind die künstlerischen und handwerklichen Fächer gleichrangig mit den kognitiven Fächern. Damit steht angesichts der näher rückenden Abschlüsse in der Oberstufe nach wie vor die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung und die Ausbildung möglichst vielfältiger Fähigkeiten im Zentrum unserer Pädagogik.

Praktika und Projekte

In jedem Schuljahr vertiefen sich die Schüler über einen Zeitraum von mehreren Wochen in einen Lebensbereich vorwiegend außerhalb der Schule:

  • 9. Klasse: Landwirtschaftspraktikum – Aufenthalt in einem landwirtschaftlichen Betrieb
  • 10. Klasse: Feldmesspraktikum – Vermessen und Kartografieren eines Geländes
  • 11. Klasse:
    Kulturwissenschaft / „Kulturprojekt“
    Naturwissenschaft / „Biologieprojekt“
    Ökonomie und Technik  / „Ökonomie-Projekt“
  • 12. Klasse:
    Theaterprojekt – Einstudierung und Aufführung eines Theaterstücks vor öffentlichem Publikum
    Eurythmieabschluss – Entwicklung einer Choreografie mit Aufführung.

Wahlkurse

Die Wahlkurse stellen eine wichtige Bereicherung des Unterrichtsangebotes der Oberstufe dar: die Schüler können ihr individuelles, eigenes Lernprofil zusammenstellen und so selbstverantwortlich ihre Schullaufbahn mitgestalten.
Sie können in Basiskursen Versäumtes nachholen, sich in Fortgeschrittenenkursen mit Gleichgesinnten spezialisieren oder einfach neue Gebiete kennen lernen. Ob Erste Hilfe oder Tango, Algebra oder Radioworkshop: Der klassenübergreifende Unterricht ist ein Erlebnis für Lehrer wie für unsere Schüler.

Profile der Oberstufe

Das Kulturprojekt Stuttgart-Dresden

Im Kulturprojekt des G-Zuges der 11. Klasse lernen die Schüler Menschen kennen, die im Rahmen von Institutionen Ideen entwickeln und Konzepte realisieren – und dies in zwei verschiedenen Lebensräumen: In Stuttgart und in Dresden. Zahlreiche Institutionen und Persönlichkeiten aus beiden Städten helfen mittlerweile großzügig mit und freuen sich auf den Austausch mit den Schüler. Zum Programm gehören Besuche von Proben und Aufführungen im Theater, Ausstellungsbesuche, Akademiebesuche, Einblicke in Kultursponsoring und diverse Stiftungen, Theaterworkshops, Stadtführungen und ein Workshop zum Thema Stadtplanung und Stadtentwicklung. Vor allem aber setzen sich die selbstverantwortlichen Kleingruppen exemplarisch mit je zwei vergleichbaren Einrichtungen hier und dort auseinander. Dazu gehören Interviews mit Kulturschaffenden sowie Kritiken, Reportagen und Kommentare. Eine umfassende schriftliche Ausarbeitung und eine Präsentation stehen am Schluss und ermöglichen eine nachhaltige Vertiefung und Reflexion.

Naturwissenschaftliches Profil und Exkursion

In der 11. Klasse erhalten die Schüler die Möglichkeit, in einem naturwissenschaftlich, vorwiegend biologisch ausgerichteten Projekt selbständig zu forschen. Die methodischen Voraussetzungen vermittelt eine vorbereitende Epoche. Arbeitstechniken (u.a. Mikroskopieren, geologische, biochemische und anatomische Untersuchungen) werden in einem Praktikum geübt. Eine etwa zweiwöchige Exkursion, die sich in 1 Woche XLAB in Göttingen und 1 Woche Helgoland aufteilt, bietet den Schülern ein intensives Arbeitsfeld im Labor und für die Feldbiologie. Dabei kann es sich z.B. in Helgoland um die Untersuchung des Meeresplankton und um Verhaltensbeobachtungen handeln.

Das Ökonomieprojekt

Die Schüler des Ö-Projektes erhalten vor dem Hintergrund der Globalisierung einen Einblick in ökonomische Zusammenhänge. In der Betrachtung von verschiedenen Produktionsweisen und Dienstleistungssegmenten gewinnen die Schüler einen Eindruck von Berufsprofilen und den Anforderungen, die Unternehmen an ihre Mitarbeiter stellen. An praktischen Beispielen (3D-Druck) wird erfahrbar, wie ein Produktionsprozess sich wandeln kann und erörtert, was das für die Zukunft der Wirtschaft bedeuten kann. In einer einwöchigen Exkursion in eine norddeutsche Hafenstadt werden Unternehmen besucht und Gespräche mit Mitarbeitern aus Personalabteilungen geführt.

* Zur besseren Lesbarkeit verwenden wir in diesem Text „Klassenlehrer“, „Schüler“, „Lehrer“ bzw. „Mitarbeiter“. Gemeint sind selbstverständlich immer alle Geschlechter.


Abschlüsse

Abschlüsse

Die Freie Waldorfschule am Kräherwald bietet alle staatlichen Abschlüsse an, nur in Ausnahmefällen verlässt ein Schüler* die Schule ohne Abschluss. Regelmäßige Klassenkonferenzen, Elternabende und Elterngespräche sind neben den Textzeugnissen die Vorraussetzung dafür, dass Eltern und Lehrer gemeinsam die Entwicklung des Kindes wahrnehmen und begleiten. Die ersten elf Schuljahre werden unsere Schüler in der Regel in zwei Fremdsprachen unterrichtet, eine Entscheidung über den Schulabschluss fällt erst im Laufe der elften Klasse.

Wenn sich Schüler im Laufe dieser elften Klasse entschließen, den Realschulabschluss in der zwölften Klasse abzulegen, gehen dem Beratungsgespräche und Empfehlungen vorraus. Unter bestimmten Vorraussetzungen kann der Schüler nach dem Realschulabschluss die Fachhochschulreife ablegen. Schüler, die nicht den Realschulabschluss ablegen, wechseln zur dreizehnten Klasse in die Vorbereitungsklasse für das Abitur.

* Zur besseren Lesbarkeit verwenden wir in diesem Text „Schüler“ bzw. „Lehrer“. Gemeint sind selbstverständlich immer alle Geschlechter.


Schauspiel

Schauspiel

Theaterpädagogik, neuerdings in aller Munde, wird an Waldorfschulen seit jeher erfolgreich praktiziert.

Die Theaterprojekte in der achten und zwölften Klasse bilden für die Schüler* markante Höhepunkte ihrer Schulzeit. Sie prägen seit vielen Jahrzehnten das besondere Profil unserer Schule. Von der Suche nach dem geeigneten Stück bis zur Aufführung ist es ein weiter Weg! Der zunächst abstrakte Szenentext verwandelt sich während der Probenzeit in eine lebendige und gekonnte dramatische Darstellung.

Über das rein Künstlerische hinaus werden hier Schlüsselqualifikationen angelegt, von der sozialen bis zur persönlichen Kompetenz. Großen Wert legen wir auf die Tatsache, dass nicht ausgesuchte Theatergruppen, sondern jeweils ganze Klassen diesen intensiven Prozess gemeinsam durchlaufen. Über das Spielen hinaus ist viel zu tun: Bühnenbild, Kostüme, Masken, Licht, Musik / Ton, Eurythmie / Tanz, Requisiten, Inspizienz, Plakat / Flyer, Programmheft, Sponsoring, Maskenbild, Regieassistenz… 

Theater ist eine ganze Welt!
Keiner, der sich darin nicht finden könnte.

* Zur besseren Lesbarkeit verwenden wir in diesem Text „Schüler“. Gemeint sind selbstverständlich immer alle Geschlechter.