Unterricht

Unter- und Mittelstufe

Bereits seit der Gründung der Waldorfschule begleitet der Klassenlehrer* in der Regel eine Klasse während der ersten acht Schuljahre. Durch ihn lernen die Kinder das Schreiben und Lesen, das Zeichnen und Malen. Er führt sie vom Erlernen der Zahlen bis zur Mathematik, von der Heimatkunde bis zur Geografie. Er unterrichtet Deutsch, Geschichte, Biologie, Physik und Chemie.

_48A8667 fkws_2016_06_

Hauptunterricht

Der knapp zweistündige Hauptunterricht ist in mehrere Phasen gegliedert. Hier werden jene Stoffgebiete, die der Lehrplan für die jeweilige Altersstufe vorsieht, in Epochen erarbeitet. So können sich die Schüler über mehrere Wochen hinweg intensiv mit einer Sache verbinden, es kennen- und verstehen lernen und übend aneignen. Hier legen die Schüler auch die Grundlage für das mit zunehmendem Alter immer selbständiger gestaltete Epochenheft.

Fördern und begleiten

Der Klassenlehrer lernt jedes Kind seiner Klasse durch die tägliche Arbeit sehr genau kennen. Das regelmäßige Gespräch mit den Eltern bildet eine weitere Möglichkeit, das Kind in seiner Entwicklung zu begleiten. Im Sinne der gemeinsamen Verantwortung begegnen sich Eltern und Lehrer in drei bis fünf Elternabenden im Schuljahr.
Durch ihn lernen die Kinder das Schreiben und Lesen, das Zeichnen und Malen. Er führt sie vom Erlernen der Zahlen bis zur Mathematik, von der Heimatkunde bis zur Geografie. Er unterrichtet Deutsch, Geschichte, Biologie, Physik und Chemie.

An Erlebtes anknüpfen

Die Lehrer versuchen, ihre Unterrichtsinhalte nie von einem abstrakten Begriff ausgehend zu entwickeln, sondern immer an etwas anzuknüpfen, was die Kinder an Erfahrung und Erlebnis mitbringen bzw. im Unterricht erleben. Die Abstraktion findet erst gegen Ende eines Lernprozesses statt. Deshalb verdichtet sich beispielsweise in der ersten Klasse ganz allmählich aus einer Geschichte und aus einem Tafelbild heraus der besondere Charakter eines Sprachlautes. Wenn dies gelingt, ist der dazugehörige Buchstabe kein zufälliges, abstraktes Zeichen mehr, sondern für die Kinder bald ein „alter Bekannter“. So dauert es manchmal etwas länger als an Regelschulen, bis die Kinder sich das Lesen und Schreiben erobern. Dann aber haben sie es sich ganz und gar zu Eigen gemacht.

Der Fachunterricht

Nach dem Hauptunterricht ändert sich der Charakter des Schulvormittags. Jetzt werden in Einzelstunden all diejenigen Fächer unterrichtet, die ein durchgängiges Üben während des ganzen Schuljahres erfordern: Neben den erwähnten Übstunden sind dies die Fremdsprachen (Englisch, Russisch), Musik, Eurythmie, Turnen, Handarbeit, Religion, ab der 5. Klasse das Werken und schließlich der Gartenbau. In vielen dieser Stunden sind die Kinder einer Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt, damit (bei einer Gruppengröße von 17 bis 18 Schülern) eine intensive Förderung des Einzelnen möglich wird.

Projektarbeit

Im achten Schuljahr endet die Klassenlehrerzeit. Hier erreicht die gemeinsame Arbeit eine besondere Dichte und Intensität: Über Monate hin proben die Schüler das Klassenspiel und bereiten die Aufführung vor. Zusätzlich fertigt jeder Schüler eine Jahresarbeit an. Meist wählen die Schüler in Absprache mit dem Lehrer ein künstlerisches oder handwerkliches Thema, müssen dann über eine längere Zeit die Planung und Fertigstellung selbst in die Hand nehmen und präsentieren schließlich ihre Ergebnisse vor ihren Eltern und Lehrern.

Die Oberstufe

Anlagen entwickeln, heißt Chancen erweitern

In der Oberstufe sind die künstlerischen und handwerklichen Fächer gleichrangig mit den kognitiven Fächern. Damit steht angesichts der näher rückenden Abschlüsse in der Oberstufe nach wie vor die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung und die Ausbildung möglichst vielfältiger Fähigkeiten im Zentrum unserer Pädagogik.

Praktika und Projekte

In jedem Schuljahr vertiefen sich die Schüler über einen Zeitraum von mehreren Wochen in einen Lebensbereich vorwiegend außerhalb der Schule:

  • 9. Klasse: Landwirtschaftspraktikum – Aufenthalt in einem landwirtschaftlichen Betrieb
  • 10. Klasse: Feldmesspraktikum – Vermessen und Kartografieren eines Geländes
  • 11. Klasse:
    Kulturwissenschaft / „Kulturprojekt“
    Naturwissenschaft / „Biologieprojekt“
    Ökonomie und Technik  / „Ökonomie-Projekt“
  • 12. Klasse:
    Theaterprojekt – Einstudierung und Aufführung eines Theaterstücks vor öffentlichem Publikum
    Eurythmieabschluss – Entwicklung einer Choreografie mit Aufführung.

Wahlkurse

Die Wahlkurse stellen eine wichtige Bereicherung des Unterrichtsangebotes der Oberstufe dar: die Schüler können ihr individuelles, eigenes Lernprofil zusammenstellen und so selbstverantwortlich ihre Schullaufbahn mitgestalten.
Sie können in Basiskursen Versäumtes nachholen, sich in Fortgeschrittenenkursen mit Gleichgesinnten spezialisieren oder einfach neue Gebiete kennen lernen. Ob Erste Hilfe oder Tango, Algebra oder Radioworkshop: Der klassenübergreifende Unterricht ist ein Erlebnis für Lehrer wie für unsere Schüler.

Profile der Oberstufe

Das Kulturprojekt Stuttgart-Dresden

Im Kulturprojekt des G-Zuges der 11. Klasse lernen die Schüler Menschen kennen, die im Rahmen von Institutionen Ideen entwickeln und Konzepte realisieren – und dies in zwei verschiedenen Lebensräumen: In Stuttgart und in Dresden. Zahlreiche Institutionen und Persönlichkeiten aus beiden Städten helfen mittlerweile großzügig mit und freuen sich auf den Austausch mit den Schüler. Zum Programm gehören Besuche von Proben und Aufführungen im Theater, Ausstellungsbesuche, Akademiebesuche, Einblicke in Kultursponsoring und diverse Stiftungen, Theaterworkshops, Stadtführungen und ein Workshop zum Thema Stadtplanung und Stadtentwicklung. Vor allem aber setzen sich die selbstverantwortlichen Kleingruppen exemplarisch mit je zwei vergleichbaren Einrichtungen hier und dort auseinander. Dazu gehören Interviews mit Kulturschaffenden sowie Kritiken, Reportagen und Kommentare. Eine umfassende schriftliche Ausarbeitung und eine Präsentation stehen am Schluss und ermöglichen eine nachhaltige Vertiefung und Reflexion.

Naturwissenschaftliches Profil und Exkursion

In der 11. Klasse erhalten die Schüler die Möglichkeit, in einem naturwissenschaftlich, vorwiegend biologisch ausgerichteten Projekt selbständig zu forschen. Die methodischen Voraussetzungen vermittelt eine vorbereitende Epoche. Arbeitstechniken (u.a. Mikroskopieren, geologische, biochemische und anatomische Untersuchungen) werden in einem Praktikum geübt. Eine etwa zweiwöchige Exkursion, die sich in 1 Woche XLAB in Göttingen und 1 Woche Helgoland aufteilt, bietet den Schülern ein intensives Arbeitsfeld im Labor und für die Feldbiologie. Dabei kann es sich z.B. in Helgoland um die Untersuchung des Meeresplankton und um Verhaltensbeobachtungen handeln.

Das Ökonomieprojekt

Die Schüler des Ö-Projektes erhalten vor dem Hintergrund der Globalisierung einen Einblick in ökonomische Zusammenhänge. In der Betrachtung von verschiedenen Produktionsweisen und Dienstleistungssegmenten gewinnen die Schüler einen Eindruck von Berufsprofilen und den Anforderungen, die Unternehmen an ihre Mitarbeiter stellen. An praktischen Beispielen (3D-Druck) wird erfahrbar, wie ein Produktionsprozess sich wandeln kann und erörtert, was das für die Zukunft der Wirtschaft bedeuten kann. In einer einwöchigen Exkursion in eine norddeutsche Hafenstadt werden Unternehmen besucht und Gespräche mit Mitarbeitern aus Personalabteilungen geführt.

* Zur besseren Lesbarkeit verwenden wir in diesem Text „Klassenlehrer“, „Schüler“, „Lehrer“ bzw. „Mitarbeiter“. Gemeint sind selbstverständlich immer alle Geschlechter.