Unter- und Mittelstufe

Sind die Lebensverhältnisse und die menschlichen Beziehungen im Leben eines Kindes stabil, so kann es seine Lernfreude entfalten - dies zeigen jüngste Forschungen. Bereits seit der Gründung der Waldorfschule begleitet der Klassenlehrer in der Regel eine Klasse während der ersten acht Schuljahre. Durch ihn lernen die Kinder das Schreiben und Lesen, das Zeichnen und Malen. Er führt sie vom Erlernen der Zahlen bis zur Mathematik, von der Heimatkunde bis zur Geografie. Er unterrichtet Geschichte, Biologie, Physik und Chemie.

Hauptunterricht

Der knapp zweistündige Hauptunterricht ist in mehrere Phasen gegliedert. Hier werden diejenigen Stoffgebiete, die der Lehrplan für die jeweilige Altersstufe vorsieht, in Epochen erarbeitet. So können sich die Schüler über mehrere Wochen hinweg intensiv mit einem Gebiet verbinden, es kennen und verstehen lernen und übend aneignen. Hier legen die Schüler auch die Grundlage für das mit zunehmendem Alter immer selbstständiger gestaltete Epochenheft.

Der Klassenlehrer hat die Möglichkeit, in fortlaufenden Übstunden mit den Kindern die Grundfertigkeiten des Schreibens, Lesens und Rechnens bis zu einem sicheren Können zu erüben.

Fördern und begleiten

Der Klassenlehrer lernt jedes Kind seiner Klasse durch die tägliche Arbeit sehr genau kennen. Das regelmäßige Gespräch mit den Eltern bildet eine weitere Möglichkeit das Kind in seiner Entwicklung zu begleiten. Im Sinne der gemeinsamen Verantwortung findet auch das Gespräch in den pro Jahr drei bis fünf Elternabenden statt.

An Erlebtes anknüpfen

Die Lehrer versuchen ihre Unterrichtsinhalte nie von einem abstrakten Begriff ausgehend zu entwickeln, sondern immer an etwas anzuknüpfen, was die Kinder an Erfahrung und Erlebnis mitbringen, bzw. im Unterricht erleben. Die Abstraktion findet erst gegen Ende eines Lernprozesses statt. Deshalb verdichtet sich beispielsweise in der ersten Klasse ganz allmählich aus einer Geschichte und aus einem Tafelbild heraus der besondere Charakter eines Buchstabens. Wenn dies gelingt, ist dieser Buchstabe kein zufälliges, abstraktes Zeichen mehr, sondern für die Kinder bald ein „alter Bekannter“. So dauert es manchmal etwas länger als an Regelschulen, bis die Kinder sich das Lesen und Schreiben erobern. Dann aber haben sie es sich ganz und gar zu Eigen gemacht.

Der Fachunterricht

Nach dem Hauptunterricht ändert der Schulvormittag seinen Charakter. Jetzt werden in Einzelstunden all diejenigen Fächer unterrichtet, die ein durchgängiges Üben während des ganzen Schuljahres erfordern: Neben den erwähnten Übstunden sind dies die Fremdsprachen (Englisch, Russisch), Musik, Eurythmie, Turnen, Handarbeit, Religion, ab der 5. Klasse das Werken und schließlich der Gartenbau. In vielen dieser Stunden sind die Kinder einer Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt, damit (bei einer Gruppengröße von 17 bis 18 Schülern) eine intensive Förderung des Einzelnen möglich wird.

Projektarbeit

Im achten Schuljahr endet die Klassenlehrerzeit. Hier erreicht die gemeinsame Arbeit eine besondere Dichte und Intensität: Über Monate hin proben die Schüler das Klassenspiel und bereiten die Aufführung vor. Zusätzlich fertigt jeder Schüler eine Jahresarbeit an. Meist wählen die Schüler in Absprache mit dem Lehrer ein künstlerisches oder handwerkliches Thema, müssen dann über eine längere Zeit die Planung und Fertigstellung selbst in die Hand nehmen und präsentieren schließlich ihre Ergebnisse vor ihren Eltern und Lehrern.