Der Besuch der alten Dame

Dieser Termin wiederholt sich jeden 1. Tag bis zum 06.04.2014.

Die Stadt Güllen ist heruntergekommen.

Schnellzüge halten hier nicht mehr. Deshalb erwartet der Bürgermeister, dass die Multimilliardärin Claire Zachanassian, die ihren Besuch angekündigt hat, in der nächsten Stadt aussteigen wird. Sie hieß früher Klara Wäscher, wurde in Güllen geboren und kehrt heute zum ersten Mal seit 45 Jahren zurück… Doch sie kommt nicht in friedlicher Absicht, sondern sinnt auf Rache. Sie besucht den Ort ihrer Kindheit um die Schuld, die der Kioskbesitzer Alfred Ill in seiner Jugend auf sich geladen hat, zu beglichen.

Ihr Angebot: Einer der Güllener bringe Ill um, im Gegenzug erhalte das verarmte Städtchen 1 Milliarde. Kann Ill den Güllenern vertrauen, halten sie zu ihm? Das Spiel beginnt!

In dieser "tragischen Komödie" zeigt Friedrich Dürrenmatt auf groteske Weise, dass Geld die Welt regiert und Amoral in Sittlichkeit umgedeutet wird. Ohne den Zeigefinger zu heben, entlarvt er die Verlogenheit der bürgerlichen Moral. Die Güllener schieben falsche Gründe vor und täuschen sich selbst; nur Claire kann es sich leisten, klar auszusprechen, was sie will.

"Der Besuch der alten Dame' ist eine Geschichte, die sich irgendwo in Mitteleuropa in einer kleinen Stadt ereignet, geschrieben von einem, der sich von diesen Leuten durchaus nicht distanziert und der nicht so sicher ist, ob er anders handeln würde ..." (Friedrich Dürrenmatt).

Wie auch immer die Klasse 12b diesen modernen Klassiker für sich deuten und umsetzen wird, ein spannender und lohnender Theaterabend wird’s allemal!

Zu sehen im Festsaal unserer Schule vom 03. bis 06. April 2014, jeweils um 20.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Fotos: Julian Salamon

Kann die Versuchung nach Reichtum friedliche Menschen zu Mörder werden lassen? Macht Rache Sinn? Drei Schüler der zwölften Klasse im Gespräch über ihr Theaterprojekt:

Frage: Regiert Geld die Welt?

Veronique: Irgendwie schon. In dem Stück sieht man, wie die Milliardärin die komplette Macht in der Hand hält, nur weil sie das Geld hat. Geld ist einfach ein riesiges Problem. Das sieht man auch an korrupten Politikern.

Frage: Könntet Ihr die Bewohner von Güllen verstehen, die der Versuchung nicht widerstehen können?

Charlotte: Bei Mord hört das Verständnis auf.
Vero: Die Menschen sind bettelarm. Das ist von außen nur schwer zu beurteilen.

Frage: Was ist für Euch die große Herausforderung bei der Aufführung? Charlotte: Ich spiele eine betrunkene Lehrerin, die eine Rede hält. Ich muss richtig übertreiben, schwanken, mit lauter Stimme reden. Diese unkontrollierbare Szene hat mich sehr viel Überwindung gekostet. Aber jetzt ist der Knoten geplatzt.

Frage: Was ist das Besondere an Eurem Klassenspiel?

Tjörvi: Dass wir kein Klassenspiel, sondern ein Theaterprojekt auf die Bühne bringen. Der Unterschied liegt darin: Wir legen Wert auf stilistische Reduzierungen und interpretieren dadurch das Stück moderner.
Charlotte: Die Handlung könnte auch traurig, gruselig erzählt werden. Wir haben aber soviel Witz reingebracht, dass dadurch eine gewisse Leichtigkeit entsteht.
Tjörvi: Die Leichtigkeit findet sich auch beim Bühnenbild wieder: Alles schwebt und spielt in einer schwarzen Leere. Die Zuschauer verlieren sich auf der Bühne, genau wie die Bewohner der Stadt Güllen ihren Halt verlieren.

 

Frage: Warum sollte man sich Eure Aufführung nicht entgehen lassen?

Veronique: Weil es ein guter Abend wird. Und weil jeder sieht, dass Rache keinen Sinn macht.

 

Der Öffentlichkeits-Kreis ist schon jetzt gespannt auf den "Besuch der alten Dame" am Kräherwald und wünscht Ihnen eine schöne Woche.

 

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