Zum pädagogischen Leitbild

Die Freie Waldorfschule am Kräherwald steht Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft, der Weltanschauung oder der gesellschaftlichen Stellung ihrer Eltern offen. In der pädagogischen Arbeit werden leibliche, seelische und geistige Entwicklung altersgemäß gefördert, ein „Sitzenbleiben“ gibt es daher nicht.

Die Schüler sollen zu lebenslangem Lernen befähigt werden. Die Unterrichtsinhalte und -methoden orientieren sich an den Entwicklungsphasen des heranwachsenden Menschen. Die Freie Waldorfschule am Kräherwald bietet ihren Schülern einen Lern- und Lebensraum, der Vertrauen und Sicherheit gibt. Sie will Selbstbewusstsein, Weltinteresse, Mut und Initiativkraft auf den Lebensweg mitgeben.

Deshalb werden kognitive, kreative und moralische Anlagen gleichermaßen entwickelt. Dabei sollen sich Entfaltung einer stabilen Persönlichkeit und soziale Kompetenz die Waage halten. Verantwortungsbewusstsein für Mitmenschen und die natürliche Umwelt sind uns ebenso wichtig wie Kenntnisse und Fertigkeiten.

(Es folgt hier der vollständige Text unseres im Jahre 2006 aufgestellten pädagogischen Leitbilds. Eine Überarbeitung, die den seither geführten pädagogischen Debatte und ihren neuen Erkenntnissen Rechnung trägt, wird hier veröffentlicht werden, sobald sie von der Schulgemeinschaft verabschiedet sein wird.)

Leitbild der Freien Waldorfschule am Kräherwald

2. überarbeitete Auflage 2006

Vorwort
Eine Gruppe von Lehrern und Eltern begann 1998 im Auftrag des Lehrerkollegiums, des Schulvereinsvorstands und des Eltern-Lehrer-Rates mit der Erarbeitung des Leitbildes der Freien Waldorfschule am Kräherwald. Auf der Basis eines umfangreichen Verfahrens zur Qualitätsentwicklung an der Schule entstanden richtungsweisende Leitsätze.
Das Leitbild beschreibt die Ideale, nach denen die Pädagogen unterrichten und mit den Eltern im Trägerverein die Schule führen. Es vermittelt eine Grundorientierung über Wesen und Charakter unserer Schule und dient so zur Qualitätssicherung. Mit der Veröffentlichung findet ein Prozess seinen Abschluss, der reich an intensiven geistigen Auseinandersetzungen und persönlichen Erfahrungen war.
Möge das Leitbild als Ansporn dienen, Waldorfpädagogik immer neu zu denken und zu realisieren im Sinne des Mottos, das Rudolf Steiner angehenden Waldorfpädagogen an die Hand gab:
Durchdringe dich mit Phantasiefähigkeit,
Habe den Mut zur Wahrheit,
Schärfe dein Gefühl für seelische Verantwortlichkeit.
Die im Herbst 2000 veröffentlichte Fassung des Leitbildes wurde mit dieser nun vorliegenden 2. Auflage inhaltlich und redaktionell überarbeitet.

I. Die Grundlagen unserer Pädagogik
1. Wir sehen den Sinn und das Ziel unserer pädagogischen Arbeit darin, die leibliche, seelische und geistige Entwicklung der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen in menschengemäßer Weise zu fördern.
2. Dabei orientieren wir uns maßgeblich an den Forschungsergebnissen Rudolf Steiners über den Menschen als physisches und seelisch-geistiges Wesen. Dargestellt sind seine Einsichten und Anregungen insbesondere in seinen Schriften und Vorträgen zur Menschenkunde sowie in dem von ihm für die erste Waldorfschule angelegten Lehrplan. Dieser wird fortlaufend durch die seit 1919 weltweit in der pädagogischen Praxis und Wissenschaft gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse weiter entwickelt.
3. Um die Menschenkunde für die Praxis fruchtbar zu machen, suchen alle Pädagogen einen individuellen und freien Zugang zu ihr und haben die Aufgabe, sie erkenntnismäßig zu durchdringen und künstlerisch umzusetzen. Dies verlangt Selbstdisziplin, Authentizität und eine wache Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen und Fragen der Gegenwart.

II. Allgemeine Leitlinien unserer Pädagogik
1. Pädagogik verstehen wir im Sinne einer erziehungskünstlerischen Tätigkeit, die sich an den Entwicklungsphasen und der Individualität des heranwachsenden Menschen orientiert.
2. Die Erziehungsrichtlinien des Kindergartens und der Lehrplan unserer Waldorfschule sind in diesem Sinne ausgerichtet. Der Lehrplan umfasst einen breiten Fächerkanon, um die große Vielfalt menschlicher Fähigkeiten anzusprechen. Die Pädagogen handhaben den in seinen Zielen verbindlichen Lehrplan in eigener Verantwortung und entsprechend den besonderen Bedürfnissen ihrer Schüler und Klassen. Das Lehrerkollegium wird den Einzelnen hierbei beratend unterstützen.
3. Ziel ist es, den kreativen, intellektuellen und sozialen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen zur Entfaltung zu verhelfen, ihnen Kenntnisse und Welterfahrung so zu vermitteln, dass sie zu vielseitigen, lebensbejahenden und verantwortungsvollen Persönlichkeiten heranreifen, um schließlich an ihre individuelle Lebensintention anschließen zu können.
4. Es ist uns ein Anliegen, dass die Schüler das schulische Leben mitgestalten und sich mit der Schule innerlich verbinden.
5. Bildung durch die Freie Waldorfschule am Kräherwald soll den Menschen nicht nur lern- und arbeitsfähig machen, sondern auch die Grundlage schaffen für die Fähigkeit, immer neue Anforderungen zu bewältigen sowie die Welt sinnvoll mitzugestalten.

III. Zusammenarbeit und Selbstverwaltung
1. Die Freie Waldorfschule am Kräherwald ist eine unabhängige, gemeinnützige Einrichtung, die auf einem freiwilligen Zusammenschluss von Pädagogen und Eltern beruht.
2. Durch eine tragfähige Zusammenarbeit aller Mitglieder der Schulgemeinschaft entstehen gegenseitige Anerkennung, Offenheit und Toleranz. Sie sind die Grundlage dafür, dass sich die Initiativkraft jedes Einzelnen in der Gemeinschaft entfalten kann.
3. Der vertrauensvolle Umgang zwischen Eltern und Pädagogen wird zum Wohle der Kinder bewusst gepflegt. In diesem Sinne werden ggf. auch Konflikte ausgetragen und bewältigt.
4. Die Selbstverwaltung basiert auf dem Prinzip gemeinsamer Beratungen und Absprachen. Sie ist weder hierarchisch noch direktorial strukturiert.
5. Organe der Selbstverwaltung sind die Konferenzen sowie die für die verschiedenen Bereiche eingerichteten Kommissionen und Arbeitskreise mit jeweils eigenen Aufgaben und Kompetenzen. Sie arbeiten autonom im Sinne des Delegationsprinzips und sorgen für den erforderlichen Informationsaustausch.
6. Den pädagogischen Bereich der Schule führen und verantworten die Lehrer und Erzieher. Zu ihren Aufgaben gehören der pädagogische Erfahrungsaustausch und die Fortbildung, die Gestaltung der schulischen Abläufe und die Entscheidung über die Zusammensetzung des Kollegiums und der Schülerschaft. Sie haben gleiche Rechte und Pflichten und beteiligen sich nach ihren Kräften und Fähigkeiten an der Selbstverwaltung. Die Eltern werden über wichtige schulische Themen regelmäßig informiert und nehmen an der Ideen- und Meinungsbildung teil.
7. Der wirtschaftliche Bereich wird von Eltern und Pädagogen gemeinsam verantwortet. Als selbstständiger Betrieb muss die Schule sich um ausreichende Einnahmen bemühen und ihre Mittel so verwalten, dass die pädagogischen Aufgaben geleistet werden können und Innovationen für die zukünftige Entwicklung der Schule möglich sind. Die finanziellen Angelegenheiten aller Beteiligten innerhalb der Schulgemeinschaft werden im Sinne einer Solidargemeinschaft möglichst sozial ausgewogen gestaltet.
8. Die Rechtsformen der Schule werden von Eltern und Pädagogen gemeinsam getragen und weiter entwickelt.

IV. Die Beziehung zum gesellschaftlichen Umfeld
Die Freie Waldorfschule am Kräherwald leistet in vielfältiger Form einen Beitrag zum kulturellen Leben Stuttgarts und darüber hinaus.
Die Schule ist offen für Austausch und Kooperation mit anderen Bildungseinrichtungen und pflegt Kontakte zu Vertretern von Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.
3. Die Schule legt Wert auf den Austausch mit den Waldorfschulen innerhalb Deutschlands und weltweit und mit den Einrichtungen der anthroposophischen Bewegung.
4. Die Beziehung zu den ehemaligen Schülern, Eltern und Lehrern unserer Schule aufrecht zu erhalten ist uns ein großes Anliegen. Ihre praktische und ideelle Unterstützung sind wichtig für das Gedeihen unserer Schule.