Oberstufe

Anlagen entwickeln heißt Chancen erweitern
Wer seine Anlagen vielfältig ausbilden kann, bewahrt sich die Freiheit und die Chancen zur Gestaltung seiner Zukunft. Deshalb sind in der Oberstufe die künstlerischen und handwerklichen Fächer gleichrangig mit den so genannten „Lernfächern“. Und so steht angesichts der näher rückenden Abschlüsse in der Oberstufe nach wie vor die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung und die Ausbildung möglichst breiter Fähigkeiten von Kopf, Herz und Hand im Zentrum unserer Pädagogik.
Individuell fördern und differenzieren
In unserer Oberstufe findet – anders als in vielen Waldorfschulen – eine schrittweise Differenzierung statt. Sie verhilft den Schülern dazu, ihre Schullaufbahn nach eigenen Interessen und Begabungen auszurichten. Ein Wechsel zwischen den Gruppen ist nach Absprache jeweils am Ende eines Schuljahres möglich. In der 9. und 10. Klasse können Schüler einen um sieben Wochenstunden erweiterten praktischen Unterricht im Handwerklich-Praktischen Zug (Schreinern, Schmieden, Keramik, Kartonage, Steinhauen) oder im Sozial-Praktischen Zug (Schneidern, Marionettenbau und -spiel, Kochen, Drucken, Sozialpraktikum) wählen. Neben Englisch wird Russisch als zweite Fremdsprache zweistündig pro Woche weiter gepflegt.
Das 11. Schuljahr bietet drei Unterrichtsschwerpunkte: den handwerklich-praktischen Schwerpunkt mit Berufsorientierung und dreimonatigem Berufs-praktikum (Englisch als einzige Fremdsprache), den kulturwissenschaftlichen Schwerpunkt mit einem „Kulturprojekt“, den naturwissenschaftlichen Schwerpunkt mit einem „Biologieprojekt“.

Praktika und Projekte
In jedem Schuljahr vertiefen sich die Schüler über einen Zeitraum von mehreren Wochen in einen Lebensbereich vorwiegend außerhalb der Schule:
_ 9. Klasse: Landwirtschaftspraktikum – Aufenthalt in einem landwirtschaftlichen Betrieb
_ 10. Klasse: Feldmesspraktikum – Vermessen und Kartografieren eines Geländes
_ 11. Klasse: Biologie- oder Kulturprojekt bzw. dreimonatiges Berufspraktikum (Einführung in Arbeitsbedingungen be stimmter Berufszweige)
_ 12. Klasse: Theaterprojekt – Einstudierung und Aufführung eines Theaterstücks vor öffentlichem Publikum; Eurythmieabschluss: Entwicklung einer Choreografie mit Aufführung.

Wahlkurs – die wohltuende „Qual der Wahl“
Die Wahlkurse stellen eine wichtige Bereicherung des Unterrichtsangebotes der Oberstufe dar: Hier können die Schüler individuell ihr eigenes „Lernmenü“ zusammenstellen und so noch selbstverantwortlicher ihre Schullaufbahn mit gestalten.
Sie können in Basiskursen Versäumtes nachholen, sich in Fortgeschrittenenkursen mit Gleichgesinnten spezialisieren oder einfach neue Gebiete kennen lernen. Ob Erste Hilfe oder Tango, Algebra oder Radioworkshop: Der klassenübergreifende Unterricht ist ein Erlebnis für uns Lehrer wie für unsere Schüler.

Profile der Oberstufe

Berufspraktikum
Ein dreimonatiges Berufspraktikum mit begleitender Berufsberatung  konnte für die Schüler der Klasse 11C eingerichtet werden, die in der 12. Klasse den Realschulabschluss und zum Teil in der 13. Klasse die Fachhochschulreife absolvieren. Nähkurs in der OberstufeZiel ist es, einen Arbeitsbereich unserer Gesellschaft gründlich kennen zu lernen.
Die Schüler wählen sich ihr Arbeitsfeld  selbst aus. Im Idealfall verbinden sie sich intensiv mit den gestellten Aufgaben und erleben die Realität der Arbeitswelt. Für so manchen unserer Schüler hat dieses Praktikum Weichen für die spätere Berufs- und Ausbildungswahl gestellt. Immer aber ist es ein bedeutender Schritt in der Gesamtentwicklung der Persönlichkeit. Die Schüler halten ihre Erfahrungen schriftlich fest und präsentieren sie einem Publikum.

Das Kulturprojekt Stuttgart-Dresden
Praktika und Projekte bieten in der Schule in besonderem Maße die Chance, Unterricht und Lebenswelt sich begegnen zu lassen. In einer Zeit, in der Kultur sich für nicht wenige Jugendliche in Kinobesuchen oder Stadtteilfesten erschöpft, ist es unser Ziel, einen möglichst bunten Strauß an Erfahrungen mit Kultur und Kulturschaffenden zu binden.


Kulturprojekt Stuttgart-DresdenIm Kulturprojekt des G-Zuges der 11. Klasse lernen die Schüler Menschen kennen, die im Rahmen von Institutionen Ideen entwickeln und Konzepte realisieren – und dies in zwei verschiedenen Lebensräumen: In Stuttgart und in Dresden. Zahlreiche Institutionen und Persönlichkeiten aus beiden Städten helfen mittlerweile großzügig mit und freuen sich auf den Austausch mit den Schülern. Zum Programm gehören Besuche von Proben und Aufführungen im Theater, Ausstellungsbesuche, Akademiebesuche, Einblicke in Kultursponsoring und diverse Stiftungen, Theaterworkshops, Stadtführungen und ein Workshop zum Thema Stadtplanung und Stadtentwicklung.


Vor allem aber setzen sich die selbstverantwortlichen Kleingruppen exemplarisch mit je zwei vergleichbaren Einrichtungen hier und dort auseinander. Dazu gehören Interviews mit Kulturschaffenden sowie Kritiken, Reportagen und Kommentare. Viele Schüler entdecken auf diese Weise die Vielfalt des Künstlerisch-Kulturellen und die Berechtigung unterschiedlicher Ansätze in Theater, Museum u.s.w. Eine umfassende schriftliche Ausarbeitung und eine Präsentation stehen am Schluss und ermöglichen eine nachhaltige Vertiefung und Reflexion, die nicht selten zur späteren Berufsfindung führt.

Naturwissenschaftliches Profil und Exkursion
In der 11. Klasse erhalten die Schüler die Möglichkeit, in einem naturwissenschaftlich, vorwiegend biologisch ausgerichteten Projekt selbständig zu forschen. Die methodischen Voraussetzungen vermittelt eine vorbereitende Epoche. Arbeitstechniken (u.a. Mikroskopieren, geologische, biochemische und anatomische Untersuchungen) werden in einem Praktikum geübt. Für eine etwa zweiwöchige Exkursion nach Helgoland oder in die Alpen bereiten sich „Expertengruppen“ von jeweils zwei bis drei Schülern auf ihr Thema und ihre besondere Fragestellung vor. Dabei kann es z.B. um die Untersuchung des Meeresplankton, um geologische Profile und Fossilien, um Verhaltensbeobachtungen, den Vogelzug oder die Erforschung von Pflanzengesellschaften gehen.
Eine eingehende schriftliche Dokumentation und eine Präsentation fassen die Arbeitsweise und Ergebnisse zusammen.
Im Zoo
 

Schulabschlüsse

Die Freie Waldorfschule am Kräherwald ermöglicht ihren Schülern alle staatlichen Schulabschlüsse. In einjährigen Abschlussklassen werden die Schüler auf die Prüfungen vorbereitet. Nur der Hauptschulabschluss als Einzelprüfung ist davon ausgenommen.

SchulabschlussDer Hauptschulabschluss kann frühestens im 9. Schuljahr abgelegt werden. Hierzu muss in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch durch schriftliche Arbeiten sowie durch die Jahresleistung in den anderen Fächern ein bestimmtes Niveau nachgewiesen werden. Nach dieser Individualprüfung verlässt der Schüler unsere Schule.

Der Realschulabschluss kann im 11. Schuljahr, in der Regel im 12. Schuljahr abgelegt werden.

Die Fachhochschulreife kann im Anschluss an einen mit der Note „Befriedigend“ bestandenen Realschulabschluss frühestens im 12., in der Regel im 13. Schuljahr abgelegt werden. Nach der erfolgreichen Prüfung ist noch ein einjähriges Praktikum erforderlich, damit der Fachhochschulabschluss Gültigkeit hat.

Das Abitur kann im 13. Schuljahr abgelegt werden. Teilweise können auch waldorfspezifische Inhalte berücksichtigt werden.

Damit die Schüler einen ihren Fähigkeiten und Berufszielen entsprechenden Schulabschluss erfolgreich bestehen, finden in der 8. Klasse und in der Oberstufe wiederholt beratende Gespräche statt.